Kontakt-Formular   Inhaltsverzeichnis   Druckansicht        

banner_willkommen-1 banner_willkommen-2 banner_willkommen-3 banner_willkommen-4 banner_willkommen-5 banner_willkommen-6 banner_willkommen-7 banner_willkommen-8

Museum Zella-Mehlis

Willkommen > Objekt des Monats November 2025 – Ölgemälde „Mehliser Kirmes 1906“

Objekt des Monats November 2025 – Ölgemälde „Mehliser Kirmes 1906“

Objekt des Monats November 2025 – Ölgemälde „Mehliser Kirmes 1906“

Lange schon gehört ein farbkräftiges Ölgemälde zum Inventar des Stadtmuseums Zella-Mehlis. Es zeigt die feiernde Mehliser Kirmes-Gesellschaft im Jahre 1906. Sein junger Maler schuf das Bild jedoch erst lange Zeit danach. Auch deshalb soll es Objekt des Monats November 2025 sein.

1906 prosperierte das Deutsche Kaiserreich. Wenngleich sich auch schon dunkle Wolken am Horizont abzeichneten, spricht man in der Rückschau nicht ohne Anerkennung von der wilhelminischen Ära, der (späten) Gründerzeit und im europäischen Kontext von der sogenannten Belle Époque (Schöne Epoche), einer Zeit des relativen Friedens, kulturellen Aufschwungs, technischer Innovationen und des Wohlstands. Auch Zella St. Blasii und Mehlis profitierten von dieser Dynamik. 1906 wurde mit der Mercedes Modell 1 in Berlin der Grundstein für die hiesige, schon wenig später weltweit beachtete Schreib- und Büromaschinenproduktion gelegt. 1906 ging Heinrich Ehrhardt mit dem ersten „echten“ Zellaer Ehrhardt-Automobil erfolgreich an den Start, nachdem der bis dato namensgebende Lizenzgeber Decauville vom Markt verschwunden war. Der Fußballverein SC Germania 06 Mehlis wurde gegründet und stach als Paradebeispiel für die Entstehung eines bürgerlich geprägten Vereinslebens, sowie als Bestandteil einer neuentdeckten Freizeitkultur hervor. Und 1906 erfuhr die Herzoglich-Sächsische Beschuss-Anstalt, das heutige Stadtmuseum, eine bauliche Erweiterung als unverkennbares Zeichens deutlich erhöhten Produktions-Aufkommens. Allerorts bestimmte tatkräftiger Aktivismus den Alltag. Dies schlug sich auch in den örtlichen Feierlichkeiten nieder.

Hoch im Kurs stand dabei die Kirmes. Das einstmals zur Weihe einer Kirche angedachte Fest, das in Mehlis bereits ab 1548 mit einer Woche Dauer zu St. Jacobi (25. Juli) nachweisbar ist, hatte um 1906 dabei längst seinen religiösen Ursprung hinter sich gelassen und war zum Volksfest für Unterhaltung, Kultur und Kommerz säkularisiert. Überdies war es bereits ab etwa 1850 mit dem Erntedankfest auf den ersten Sonntag im Oktober zusammengelegt worden. Gleichwohl (und umso mehr) diente das Fest weiterhin der Förderung des gemeindlichen Zusammenhalts, der Heimatverbundenheit und des Brauchtums, sowie der erheiternden Unterbrechung des harten Arbeitsjahres. Die örtlichen Kirmes-Gesellschaften waren dabei stets bestrebt, das vergangene Jahr jedes Mal aufs Neue in den Schatten zu stellen, was mit einer stetig wachsenden Zahl an Bratwurstständen, Schießbuden, Kraftmessern, Zucker- und Würfelbuden, Luftschaukeln und Karussellen auch gelang. Neben dem bunten Treiben in den Gassen wurde auch in geschlossenen Lokalitäten gefeiert. Bekannt dafür waren das Hotel „Stadt Wien“, der „Thüringer Hof“ und der Gasthof „Bellevue.“ Den größten Saal im Ort fanden Feierlaunige jedoch in der Gastwirtschaft „Zur Post“ an der Ecke Schönauer Straße/Hirtenstraße vor.

Restauration „Zur Post“, etwa 1910.
Restauration „Zur Post“, etwa 1910.

Restauration „Zur Post“, etwa 1960.
Auf dem Foto aus der Zeit um 1960 erkennt man ein Ladengeschäft, in dem bis zum Ende der DDR Öfen, Haushaltsgeräte, Farben und Tapeten verkauft wurden. Nach der Wende wurde das Gebäude abgerissen.

Das ausladende, heute nicht mehr existente, Etablissement diente zahlreichen Vereinen als Treffpunkt und bot mit seiner Empore auch Theaterstücken und Konzerten gute Bedingungen. Zentrale Figuren waren Gastwirt Julius Wahl, der die Restauration (so nannte man größere Gastwirtschaften) bereits 1897 von seinem Schwiegervater Immanuel Schübel übernommen und zusammen mit seiner Frau Emma erfolgreich ins neue Jahrhundert geführt hatte. Gerade in den Tagen der Kärmes (mundartl.) war das Paar aufs Äußerste gefordert. Zahlreiche Gäste wollten begrüßt, es musste zum Tanz geläutet und der stetige Ausschank gesichert werden. Mehrfach am Tag wurde Bier aus der Krells Brauerei in Heinrichs nachgeordert. Es wurde gesungen, getanzt, getrunken, geflirtet, gelacht und gerne auch mal über die Stränge geschlagen. An behördliche Anordnung, etwa aus dem Jahr 1881, wonach „… Kinder in öffentlichen Tanzsälen keinen Zutritt und auch nicht im Mantel mitgebracht werden dürfen …“ erinnerte man sich an diesen Tag nur vage. Es sollte eben ein Fest für alle und die „Post“ eine Hochburg der guten Laune sein. Dieses Treiben nun, hat Walter Fleischer, im zarten Alter von 18 Jahren, in Öl festgehalten. Warum der begabte Maler die Protagonisten seines Gemäldes mit kunstgeübter Hand auf die 95 cm × 76 cm große Leinwand brachte und dafür ausgerechnet das Jahr 1906 wählte, ist vor dem Hintergrund der angedeuteten gesellschaftlichen Prozesse zwar nachvollziehbar, nicht aber der letzte Grund seines Schaffens. Immerhin wurde Fleischer erst 1924 geboren und malte das Bild in den Jahren 1942/43, also lange nach den abgebildeten Festivitäten. Für ihn war es vom ersten Pinselstrich weg eine Erinnerung an fröhliche Jahre, an denen er selbst keinen Anteil hatte, die für ihn aber, als einen in finstersten Zeiten zu Hause Genesenden, einen besonderen Eindruck hinterlassen haben müssen. Aufschluss darüber gab er erst – hochbetagt – im Jahr 2009 mittels Brief an die städtischen Museen. Darin beschreibt Fleischer, dass er zunächst, inspiriert durch alte Fotovorlagen, ein einfaches Familienbild der Schübels, seinen Vorfahren, nach strengem Portrait-Maßstab für die Nachwelt ins Leben rufen wollte. Die lustigen Geschichten seiner Großtanten Ida und Berta rund um die Mehliser Kirmes 1906 hätten ihn allerdings dazu veranlasst, die Kirmes-affine Familie mitten in eine lebendige Szenerie hineinzukomponieren. Dass er beides geschickt zu verbinden verstand, ist am Gemäldeaufbau gut nachvollziehbar. Ganz bewusst ließ er zahlreiche Bildakteure, zuvorderst die Angehörigen der Schübels, in nahezu gerader Richtung zum Betrachter schauen. Vorne links etwa wurden die beiden „Lieblingstanten“ verewigt. Gut ausgeleuchtet an der Theke neben dem Bierfass hat Emma Schübel Platz gefunden, deren Enkelin Hilda (Fleischers Mutter) steht obenauf und Schübels Jul, wie man den Gastwirt und Urgroßvater Walter Fleischers nannte, läutete, zentral ins Geschehen hineingestellt, mit der Glocke zum Tanz.

Die Wirtsleute
Die beiden Wirtsleute, Julius Wahl und Emma, geb. Schübel, etwa 1910.

Anzeige 1904
Einladung zur Kirmes, Anzeige aus dem Mehliser Anzeiger 1904.

So gelang es Fleischer, seinem ursprünglichen Portrait-Ansinnen Genüge zu tun, ohne damit dem schmissigen Verve des Gesamtgeschehens abträglich zu sein. Und auch sich selbst, den spätgeborenen Maler, konnte er über den wohlwollenden „Blick der Ahnen“ als einen der ihren mit in Szene setzen, so, als wäre er selbst dabei gewesen. Entstanden ist ein nicht nur lebhaft beschwingtes Familien-Erinnerungsstück als Sinnbild einer ebenso dynamischen Zeitepoche, sondern ein Gemälde über das Vergnügen unserer Altvorderen schlechthin, das wie ein Genrebild ganz allgemein die Thematik der Kirmes repräsentieren könnte. Das Stadtmuseum Zella-Mehlis hält es in Ehren und wird beizeiten auch dem Restaurierungsbedarf Genüge tun.

Zella-Mehlis verbindet
 

Wir würden gerne Cookies auf Ihrem Rechner platzieren, um uns zu helfen, diese Website zu verbessern.


Aktuell

Heimatmuseum geöffnet

Ausstellungen

Sonderausstellung Barthelmes

Plakat

Sonderausstellung Industriegeschichte

Imagefilm Zella-Mehlis

Unsere Gäste sind immer wieder erstaunt, was man in unserer Stadt alles erleben kann: Spannende Entdeckungen im Technikmuseum Gesenkschmiede und im Stadtmuseum in der Beschußanstalt, beeindruckende Kunstwerke im Bürgerhaus, exotische Begegnungen im Meeresaquarium, naturwissenschaftliche Phänomene in der Explorata-Mitmachwelt, Badespaß in den Erlebnisfreibädern und vieles mehr! Ob Sie sich für Technik interessieren, Kunst und Kultur bevorzugen oder sich als Familie mit Ihren Kindern wohlfühlen möchten – Zella-Mehlis hat für viele Geschmäcker das passende Angebot!

 

Öffnungszeiten

Stadtmuseum Beschußanstalt und Technikmuseum Gesenkschmiede

Montag: 10.00 Uhr – 17.00 Uhr
Dienstag: 10.00 Uhr – 17.00 Uhr
Mittwoch: geschlossen
Donnerstag: 10.00 Uhr – 17.00 Uhr
Freitag: 10.00 Uhr – 17.00 Uhr
Samstag: 10.00 Uhr – 16.00 Uhr
Sonntag: 10.00 Uhr – 16.00 Uhr
Feiertags: 10.00 Uhr – 16.00 Uhr

An vier Tagen bleiben die Museen geschlossen:
Neujahr, Christi Himmelfahrt, Heiligabend und Silvester.

Heimatmuseum Benshausen

Das Heimatmuseum Benshausen hat am zweiten Sonntag eines Monats von 14.00 – 17.00 Uhr geöffnet (Bitte Veröffentlichungen und Änderungsmeldungen auf dieser Internetseite beachten!). Besuche außerhalb der Zeiten nur nach langfristiger vorheriger Vereinbarung. Telefon: (0 36 82) 46 46 98

Sie finden uns auch auf Facebook!

 

Sie sind der 60455. Besucher seit dem 1. Januar 2024

 

Zella-Mehlis –
Historisch gewachsene Wirtschaftskraft

Zella-Mehlis kann auf eine bewegte und erfolgreiche Wirtschaftsgeschichte zurückblicken. Hier wurde der Lauf von internationalen Automarken beeinflusst, Weltkonzerne gegründet und dafür gesorgt, dass James Bond die Welt retten kann. Und auch heute finden sich hier Wirtschaftszweige, die man auf den ersten Blick nicht vermuten würde. Die Langversion dieses Filmes, welcher in Zusammenarbeit mit mamoni media » entstanden ist, können Sie im Technikmuseum Gesenkschmiede » sehen.

Partner/Kooperationen

Erlebnispark Meeresaquarium Explorata Mitmachwelt Galerie im Bürgerhaus Thüringer Wald Card Mehrkindfamilienkarte Thüringen    Schmieden in der Gesenkschmiede

Seitenanfang