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Museum Zella-Mehlis

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Objekt des Monats Januar 2026 – Tellereisen (Falle)

Objekt des Monats Januar 2026 – Tellereisen (Falle)

Der Wolf führt heute ein beschauliches Dasein in unseren Wäldern. Dass das nicht immer so war, belegt das Objekt des Monats Januar 2026, ein Tellereisen aus der Kategorie der Raubtierfallen.

Während er weit hinein im östlichen europäischen Kulturraum und den menschenleeren Gebirgsregionen Spaniens, Portugal oder dem Balkan überleben konnte, war es um ihn in Deutschland bereits zur vorletzten Jahrhundertwende geschehen. Das letzte Exemplar der einheimischen Wolf-Population wurde 1904 in der Lausitz getötet, der Endpunkt eines gewaltigen Bejagungszeitraumes.

Die Gründe, warum man dem Tier bis zur Ausrottung zugesetzt hatte, waren in seiner Reputation angelegt, die sich aus der Gemengelage harter Realitäten, dramatischer Narrative und allerlei Aberglauben speiste. Schon dem frühmittelalterlichen Adel galt er als Konkurrent um Jagdbeute, dem Bauern und Hirten des 16., 17. und 18. Jahrhunderts als reale Gefahr für das überlebenswichtige Nutzvieh, dem Preußen, Sachsen oder Bayern des 19. Jahrhunderts als tierischer „Störfaktor“ im reibungslosen Ablauf strikter Staatsorganisation und dem Wanderer aller Zeiten als übellauniger Geselle im finsteren Wald. Addiert man hierzu noch die subtil fortwirkenden Feindbilder christlicher Symbolik, bspw. die sog. „Wölfe im Schafspelz“ (Mt 7,15), dann bedurfte es gar keiner Märchen wie „Rotkäppchen“ oder „Der Wolf und die Sieben Geißlein“ (beide 1812) mehr, um Isegrim als Inbegriff des Abgründigen und Bösen im kollektiven Bewusstsein zu verankern.

Im Nachstellen dieses „Feindbildes“ ging man nicht zimperlich zu Werke. Neben Treibjagden mit blutrünstigen Hunden, stachelbewehrten Fallgruben (daher die „Wolfsgrube“ in Suhl) und scharfkantigen Wolfsangeln im Köderfleisch, an denen sich das Tier nach dem Beutesprung gleichsam „eigenhändig“ bis zur qualvollen Verendung am Baum aufhing, spielte das Schlag-, Tritt- oder Tellereisen eine wichtige Rolle in der regionalen Bekämpfung. Wobei diese vor allem ab dem 17. Jahrhundert vorwiegend von Förstern, Jägern und teilweise von Bauern eingesetzt und im Auftrag der Obrigkeit kontrolliert wurden. Für erlegte Wölfe wurden oft Prämien gezahlt; dieses sogenannte „Wolfsgeld“ machte die Jagd zusätzlich attraktiv.

Gesamtansicht der Wolfsfalle in geschlossenem Zustand.
Gesamtansicht der Wolfsfalle in geschlossenem Zustand.

Ansicht der Wolfsfalle im gespannten Zustand.
Ansicht der Wolfsfalle im gespannten Zustand.

Das dem Stadtmuseum zur Verfügung stehende, aus der Gegend um Bermbach stammende Exemplar, lässt sich auf das frühe 18. Jahrhundert datieren, einer Zeit, in der die intensive Bejagung des Wolfes auch hier ihren Höhepunkt erreichte. Auffällig ist die wohl einzigartige Größe der Falle. In der Länge misst sie 160 cm. Alleine die halbrunden Fangeisen, die durch das Herabdrücken der gewaltigen Federn in den offenen Fangmodus versetzt wurden, haben einen Durchmesser und damit eine Spannweite von 60 cm, dem ersten Anschein nach fast zu ausladend für den mitteleuropäischen Wolf und den größeren Braunbären auf den Plan rufend, der vereinzelt noch bis etwa 1730 im Thüringer Wald seinem traurigen Ende entgegen streifte. Alte Aufzeichnungen aber belegen, was die 10 cm langen, spitz zulaufenden Eisendornen entlang des Fangkranzes bereits andeuten: das Beutetier, der Wolf, sollte mit ihnen nicht nur einfach am Bein festgehalten, sondern über den Auftritt auf die Bodenplatte, bei herabgesenkten Kopf Richtung Aas-Köder, komplett in die Mangel genommen werden. Alleine das Herabdrücken der Federn bedurfte eines beidbeinigen Aufstellen auf dieselben, vorausgesetzt, etwa 100 kg Auflagegewicht konnten gewährleistet werden. Welchen Schaden die Fangeisen beim Zuschlagen dabei anrichteten, kann man sich nur ausmalen. Das Bein eines Wolfes hätten sie umgehend durchtrennt, ein eingeklemmter Kopf oder Oberkörper wurde in Sekunden (bestenfalls) todbringend durchstochen und zusammengepresst. Anders als die Bejagung mit Schusswaffen, war die verdeckte, für spätere Wiederkehr vorgesehene Auslage einer Falle in laubreichem Wald auch nicht ungefährlich.

Titelseite eines zeitgenössischen Buches über die Jagd von Heinrich Wilhelm Döbels, Neueröffnete Jäger-PRACTICA, erschienen in Leipzig 1754.
Titelseite eines zeitgenössischen Buches über die Jagd von Heinrich Wilhelm Döbels, Neueröffnete Jäger-PRACTICA, erschienen in Leipzig 1754.

Auszug einer Beschreibung über die Verwendung von Tellereisen zur Jagd auf Wölfe aus dem Buch über die Jagd von Heinrich Wilhelm Döbels, Neueröffnete Jäger-PRACTICA, erschienen in Leipzig 1754.
Auszug einer Beschreibung über die Verwendung von Tellereisen zur Jagd auf Wölfe aus dem Buch über die Jagd von Heinrich Wilhelm Döbels, Neueröffnete Jäger-PRACTICA, erschienen in Leipzig 1754.

Abbildung verschiedener Teller- oder Tritteisen aus dem Buch über die Jagd von Heinrich Wilhelm Döbels, Neueröffnete Jäger-PRACTICA, erschienen in Leipzig 1754.
Abbildung verschiedener Teller- oder Tritteisen aus dem Buch über die Jagd von Heinrich Wilhelm Döbels, Neueröffnete Jäger-PRACTICA, erschienen in Leipzig 1754.

Nicht selten liefen neben anderen tierischen Waldbewohnern auch arglose Wanderer, Wilderer oder auch der Fallensteller selbst, der Ort und Stelle seines eisernen Hinterhaltes vergessen oder unzureichend gekennzeichnet hatte, ins Unglück. Trotzdem blieb das Tellereisen bis Ende des 19. Jahrhunderts das bewährte Mittel. Es bot den großen Vorteil, das scheue, nachtaktive, unter dem Lichtmangel vergangener Tage kaum auffindbare Tier nicht suchen zu müssen, sondern herankommen zu lassen. Treibjagden waren laut, aufwendig und kostspielig, das notwendig schnelle Durchladen von Gewehren erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts möglich und die direkte Konfrontation mit dem Raubtier, das gerne auch im Rudel auftrat, nicht selten lebensgefährlich. Wie wirksam die Falle ihre Arbeit über die Jahrhunderte verrichtet hatte, lässt sich auch eindrücklich aus den Produktpaletten hiesiger Metallwaren-Produzenten ableiten.

eite aus einem Katalog der Waffenwerke Louis Bader / Mehlis, um 1900, mit einem Angebot verschiedener Tellereisen.
Seite aus einem Katalog der Waffenwerke Louis Bader / Mehlis, um 1900, mit einem Angebot verschiedener Tellereisen.

Im Katalog der Waffenwerke Louis Bader / Mehlis, um 1900, wird hier ein großes Tellereisen mit einer Gesamtlänge von 120 cm explizit für den Fang von Bären, Löwen, Tiger und Puma angepriesen.
Im Katalog der Waffenwerke Louis Bader / Mehlis, um 1900, wird hier ein großes Tellereisen mit einer Gesamtlänge von 120 cm explizit für den Fang von Bären, Löwen, Tiger und Puma angepriesen.

In der Katalog-Rubrik „Raubtierfallen und Zubehör“ des Mehlisers Louis Bader etwa, wird das Tellereisen um 1910 zwar noch immer in bekannter Form angepriesen, der Wolf hingegen als Zielgeschöpf gar nicht mehr aufgeführt und durch Bär, Löwe, Tiger oder Puma abgelöst. Infolge kaiserlich-kolonialistischer Ambitionen wollte man nunmehr anderen Gefahren in exotischen Erdteilen trotzen und Herrenzimmer-Trophäen in Form hälftiger Tiere standen in hohem Ansehen. Der heimische Wolf hingegen war also längst verschwunden. Erst seit der Jahrtausendwende, 100 Jahre nach seinem unfreiwilligen Abtauchen, lässt sich eine Übersiedlung aus Polen und Italien konstatieren, die auch Niederschlag in Thüringer Wäldern findet. Dass man ihm heute mit anderen Augen begegnet, ist verbesserten, von Aberglauben befreiten Kenntnissen, wohlmeinendem Tierschutz ebenso zu verdanken, wie mythologischen Aufladungen durch die Neuesoterik, gepaart mit romantischen Verklärungen infolge langer Abwesenheit des Tieres. Inwieweit er sich mit dem Menschen vertragen wird, bleibt abzuwarten. Reale Konfliktlinien bestehen (ums Weidevieh) weiterhin und nehmen mit dem Anwachsen der Population zu. Hier art- und sachgerechte Lösungen zu finden, ist Aufgabe der kommenden Jahre. Dass man dem Wolf wieder mit Tellereisen nachstellt, kann ausgeschlossen werden. Diese sind in der EU, der Schweiz und fast allen westlichen Ländern strikt verboten, nicht zuletzt wegen der Gefahr unbeabsichtigter Kollateralschäden an Mensch (Wanderer etc.) und Tier (Haustiere, Beifänge). Das vielleicht ehrfurchterregendste Exemplar darf im Stadtmuseum Zella-Mehlis besichtigt werden. (ad)

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Freitag: 10.00 Uhr – 17.00 Uhr
Samstag: 10.00 Uhr – 16.00 Uhr
Sonntag: 10.00 Uhr – 16.00 Uhr
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Jeden 2. Sonntag im Monat: 14.00 Uhr – 17.00 Uhr


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Zella-Mehlis kann auf eine bewegte und erfolgreiche Wirtschaftsgeschichte zurückblicken. Hier wurde der Lauf von internationalen Automarken beeinflusst, Weltkonzerne gegründet und dafür gesorgt, dass James Bond die Welt retten kann. Und auch heute finden sich hier Wirtschaftszweige, die man auf den ersten Blick nicht vermuten würde. Die Langversion dieses Filmes, welcher in Zusammenarbeit mit mamoni media » entstanden ist, können Sie im Technikmuseum Gesenkschmiede » sehen.

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