Objekt des Monats April 2026 ‒ Griffeladdierer „TRICK“

Am ersten April ist Welttaschenrechnertag. Hat Zella-Mehlis da auch etwas zu bieten? Selbstverständlich! Denn hier wurden nicht nur kleinere und größere Tischrechenmaschinen produziert, sondern auch sehr handliche Stücke wie der Griffeladdierer „TRICK“ der Mercedes Büromaschinen G. m. b. H.
Seit Urzeiten versucht sich die Menschheit die Ausübung der – oftmals ungeliebten – Mathematik durch Rechenhilfen zu erleichtern. Bei einfachen Additions- und Subtraktionsaufgaben helfen schon die zehn Finger. Daneben fanden Steine und auch Kerbhölzer über Jahrtausende Verwendung. Seit der Antike war der Abakus das Mittel der Wahl, der mit bunten Perlen auch heute noch in vielen Kinderzimmern als Spielzeug vorhanden ist. Im 17. Jahrhundert befassten sich etliche Erfinder mit dem Thema.

Der klassische Abakus.
Neben den Napierschen Rechenstäbchen entwickelten die Mathematiker und Naturwissenschaftler Wilhelm Schickard, Blaise Pascal und Gottfried Wilhelm Leibniz jeweils ihre mehr oder weniger funktionstüchtigen Rechenmaschinen. Über zwei Jahrhunderte wurde weiter getüftelt und verbessert, so dass es um 1900 schon einige Firmen gab, die ausschließlich Rechenmaschinen herstellten. Mit der Funktionsvielfalt unserer modernen Taschenrechner und Computer hatten diese nichts gemein, zumeist konnten nur Aufgaben in den vier Grundrechenarten bewältigt werden.
Was verbindet Zella-Mehlis mit Rechenapparaten? Nicht nur Schreibmaschinen, sondern auch vielfältigste Rechenmaschinen wurden unter den Markennamen Mercedes, Walther und auch Melitta hier hergestellt. Zu Beginn war der Entwickler und Mechaniker Dr. Ing. E. h. Christel Hamann (1870 Hammelwarden/Oldenburg – 1948 Babelsberg/Brandenburg) maßgebend.

Christel Hamann, Chefkonstrukteur (1907–1921) der Mercedes-Büromaschinenwerke.
Sein „Mathematisch-mechanisches Institut“ in Friedenau bei Berlin wurde 1907 Tochtergesellschaft der Mercedes Büromaschinen G.m.b.H. und 1913 nach Mehlis verlegt. Bis 1922 war er als Chefkonstrukteur bei Mercedes tätig. Eine seiner bedeutendsten Erfindungen ist die „Mercedes-Euklid“ mit „Proportionalhebel-System“, entwickelt im Jahr 1905, – leider viel zu groß und mit ihren 12 kg viel zu gewichtig um sie in der Jacken- oder Hosentasche zu transportieren.

Mercedes-Euklid Rechenmaschine, Modell 1.
So konstruierte er die „TRICK“, die er als Addiervorrichtung mit Zahlenschiebern für die Mercedes Bureaumaschinen Gesellschaft m. b. H. in Berlin am 13. April 1911 beim Kaiserlichen Patentamt Berlin unter der Nummer 242665 anmeldete. Weil zur Bedienung ein Metallstift erforderlich ist, wird das System auch als Griffeladdierer bezeichnet.

Patentschrift der Addiervorrichtung mit Zahlenschiebern aus dem Jahr 1911.
Die „TRICK“ entspricht mit Abmessungen von 15,4 × 8,2 cm in etwa der Größe moderner Smartphones. Mit einem Gewicht von 210 g und robust gefertigt aus Neusilbermetall war sie gut transportierbar und ohne Strom und Akku zu benutzen. Es gab sie in drei Varianten, blank, mit eingravierter Bedienungsanleitung oder mit Werbetext für die „Mercedes-Bureaumaschinen in Mehlis in Thür.“ auf der Rückseite. Das legt nahe, dass sie nicht nur verkauft, sondern an gute Kunden auch als Werbegeschenk vergeben wurde, z. B. in einer mit lila Samt und Seide ausgeschlagenen Schatulle, wie sie sich im Stadtmuseum findet.

Die „TRICK“ als Werbegeschenk.
Ein Verkaufspreis von damals zwölf Mark aufwärts entspricht heute einem Wert von mindestens 80 €. Sie war die erste kommerziell erfolgreiche Taschenrechenmaschine Deutschlands.
Die „TRICK“ ermöglichte einfaches Addieren und Subtrahieren. Multiplikation und Division konnte nur durch mehrfaches Addieren oder Subtrahieren ausgeführt werden. Das Prinzip basiert auf Zahnstangen, die mechanisch mittels Griffel verschoben werden. Bei einem Übertrag fährt der Griffel um den Haken am Ende der jeweiligen Zahnstange und man muss die nächsthöhere Zahnstange weiterbewegen (Hakenzehnerübertrag). Das Ergebnis wird in den kleinen runden Sichtfenstern angezeigt. Rechnungen mit bis zu 8-stelligen Zahlen sind möglich. Mittels einer verschiebbaren Abdeckung kann von Addition auf Subtraktion umgestellt werden. Darin besteht der Trick, denn so sind beide Rechenarten auf nur einer Zahnleiste ausführbar. Eine neue Rechnung beginnt man, indem man oben mit Hilfe einer Lasche einen Schieber heraus- und wieder hineinschiebt und dadurch das System auf Null stellt.

Griffeladdierer „TRICK“ einmal blank, einmal mit Werbeschrift.
Die Werbung für das Gerät versprach: „Dem Kaufmann, dem Beamten, dem Techniker, dem Landwirt und vielen andern noch dienet die TRICK zum sicheren Rechnen im Augenblick.“
Ein Verkauf der Produktionsmittel für die Trick-Addiermaschine 1922 an die Firma Wilhelm Lampadius in Leipzig legt nahe, dass das Gerät nur etwa 10 Jahre in Mehlis bzw. Zella-Mehlis hergestellt wurde. Der Produktname verblieb jedoch bei Mercedes.
Im 20. Jahrhundert, als die USA noch deutsche Waren kopierten, stellte zunächst die Firma Gray aus Ithaca, New York, und später die Firma Tasco die „TRICK“ unter dem Namen „Pocket Arithmometer“ her. Griffeladdierer in verschiedenen Varianten und Rechenschieber waren die Taschenrechner bis etwa Ende der 1970er Jahre. Danach wurden sie nach Erfindung des elektronischen Taschenrechners (im Jahr 1967) überflüssig und werden nur noch von Liebhabern gesammelt und genutzt. Selbst einen Taschenrechner trägt heute kaum noch jemand bei sich, das Smartphone übernimmt das Rechnen heute.
Wer die Trick-reiche in Zella-Mehlis produzierte Erfindung Christel Hamanns und viele weitere Rechenmaschinen besichtigen will, besucht die Dauerausstellung des Stadtmuseums Beschußanstalt in Zella-Mehlis. Auf Anfrage öffnen wir unser Schaudepot zur Rechentechnik. (ms)














