Objekt des Monats Juni 2026 ‒ Flaschenverkorker

Auf den ersten Blick wirken sie wie kleine lustige Männlein, unsere Objekte des Monats Juni. Es handelt sich um zwei Flaschenverkorker aus dem Heimatmuseum Benshausen. Sicherlich erinnern sich noch einige an diese Gerätschaften im großelterlichen Zuhause und möglicherweise werden sie noch heute benutzt?

Flaschenverkorker im Heimatmuseum Benshausen.
Die gedrechselten „Männlein“ sind um die 25 cm hoch und haben einen Durchmesser von maximal 6 cm. Die Funktionsweise der „Handkorkmaschine“ ist einfach. In die mittige Öffnung der Objekte wird der Korken, der einen etwas größeren Durchmesser als der Flaschenhals hat, eingelegt. Um die Elastizität der Naturkorken zu erhöhen, werden sie davor oft über mehrere Stunden eingeweicht. Der Verkorker wird auf die Flasche aufgesetzt und durch Druck auf den Knauf stößt ein Stab den Korken durch eine sich nach unten verjüngende Öffnung. Der Korken wird auf einen etwas geringeren Durchmesser als der Flaschenhals zusammengepresst und rutscht so leichter in die Glasröhre. Die konische Öffnung ist bei vielen Verkorkern zusätzlich mit Metall verstärkt, damit der Korken leichter durchgleitet und das Holz nicht so schnell reißt. Vor Erfindung dieser Gerätschaft wurden die Korken von Hand eingesteckt und mit einem Schlegel in den Flaschenhals geschlagen.

Funktionsweise des Handverkorkers.
Nun sollte man annehmen, dass die Geräte von den Benshäuser Weinhändlern zum Verschließen ihrer kostbaren Fracht genutzt wurden. Dem war aber wohl nicht so. Der Weinhandel in Benshausen ist über mehr als drei Jahrhunderte nachweisbar und begründete den Reichtum des Ortes. Die Ersterwähnung kann auf den Überfall auf den Weinhändler Grimm im Jahr 1557 datiert werden. Der Weinhandel wurde also mit Sicherheit seit Beginn des 16. Jahrhunderts betrieben und endete 1898, als der letzte Weinhändler sein Gewerbe einstellte. Allerdings wurde der Wein damals nicht wie heute in Flaschen, sondern in der Regel in Fässern transportiert und gelagert. Auch zum Ausschenken füllte man ihn meist vom Fass in Krüge und Kannen, aus denen die Gläser oder Becher gefüllt wurden.

Abfüllen des Weins in Fässer zum Transport, aus: Abbildung Der Gemein-Nützlichen Haupt-Stände Von denen Regenten Und ihren So in Friedens- als Kriegs-Zeiten zugeordneten Bedienten an, biß auf alle Künstler Und Handwercker, Christoph Weigel, 1698.
In Mitteleuropa tauchen Weinflaschen vereinzelt seit dem 16. Jahrhundert auf. Die Glasherstellung war anfangs sehr aufwendig, Glas somit teuer und viel zu kostbar, um als Massenware für die Lagerung und den Transport von Wein zu dienen. Eine zunehmende Verbreitung erfahren Weinflaschen erst etwa 150 Jahre später und werden bis zum 19. Jahrhundert das Behältnis für den Wein. Sie haben – je nach Weinregion – eine typische Form. Aus Benshausen haben sich Glasflaschen in Form des fränkischen Bocksbeutels erhalten, der seine Gestalt im Ursprung wohl der Feldflasche verdankt.
Heute sind Korken als Verschluss für Weinflaschen so selbstverständlich, dass wir annehmen, diese wären seit Jahrhunderten damit verschlossen worden. Das trifft für Mitteleuropa nicht zu. In der Antike wurden Korken zum Verschließen von Amphoren verwendet. Allerdings wächst die Korkeiche, aus deren Rinde die Stopfen geschnitten werden, auch vorwiegend im Mittelmeerraum. Bis ins späte 17. Jahrhundert wurden in unseren Gegenden überwiegend in Öl getauchte und mit Hanf umwickelte Holzstöpsel sowie Ton- oder Glasstopfen genutzt. Es war nötig, die Flaschen zusätzlich zu „verpichen“, das heißt, der Verschluss wurde mit Wachs oder einer Wachsharzmischung ummantelt und so luft- und wasserdicht versiegelt.
Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts gewannen Korken als Flaschenverschluss wirklich Bedeutung. Ihre guten Dichteigenschaften wurden bereits zuvor in der Champagne bei der Schaumweinabfüllung wiederentdeckt. Stopfen aus Kork hielten auch längeren Transporten stand, ohne aus der Flasche zu springen. Als elastischer, weitgehend wasser- und gasdichter Verschluss wurde Naturkork das Mittel der Wahl, um Wein- und Schaumweinflaschen aber auch andere Behältnisse zu verschließen. Zudem handelt es sich um eine nachwachsende Ressource.
In der Zella-Mehliser und Benshäuser Nachbarschaft, genauer gesagt in den Regionen Eisenach und Dermbach entwickelte sich das „Korkenschneiden“ sogar zu einem einträglichen Wirtschaftszweig.
Das geschah allerdings erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der große Aufschwung in der Korkproduktion setzte ab 1890 ein. Innerhalb der darauffolgenden 40 Jahre verfünffachte sich die Anzahl der in der Korkproduktion Tätigen. Da hatte der Weinhandel in Benshausen schon weitgehend an Bedeutung verloren. 1874 gab es im Eisenacher Oberland 126 Haupt- und 197 Nebenerwerbsbetriebe die Korken schnitten. Das geschah oft in Heimarbeit. Noch 1919 befanden sich 14 % der Industriebetriebe des Reiches zur Korkproduktion im Verwaltungsbezirk Dermbach.

Korkschneider, Abbildung im Le Vocabulaire Illustre des Mots Usuels, Armand Le Brun et al., 1873.
Wer benutzte nun aber den Handverkorker, wenn es die Weinhändler nicht waren? Unsere Objekte des Monats finden sich ab der Zeit um 1900 zunehmend in Katalogen für Haushaltswaren. Bei Carl Zimmermann, Zella-Mehlis, gibt es um 1920 die Korkmaschine für 10 Reichsmark.

Angebot als „Korkmaschine“ im Katalog Carl Zimmermann, Zella-Mehlis, nach 1919.
Auch noch zu DDR-Zeiten wurden sie z. B. von der „Gg. Heinr. Volkmar KG, Metall- und Holzwarenfabrikation“ in Oberschönau produziert und in einem Katalog der Firma angeboten.

Angebot als „Handkorkapparate“ im Katalog Heinr. Volkmar, Oberschönau, DDR-Zeiten.
Handverkorker aus dieser Zeit haben unter dem Knauf oft einen Gummiring, um das Arbeiten damit noch angenehmer zu machen. Unsere Flaschenverkorker waren also eher im normalen Haushalt zu finden und dienten dem Zukorken von Most- und Obstweinflaschen. Damals, als es noch nicht alles jederzeit im Supermarkt zu kaufen gab, machte man sich in vielen Haushalten die Arbeit und das Vergnügen, aus den überschüssigen Früchten eigener Ernte Obstwein selbst anzusetzen und abzufüllen. Most machte die reiche Apfelernte auch für den Winter halt- und genießbar.
Heute werden Naturkorken zunehmend von Presskorken aus Granulat, Kunststoffstopfen oder immer mehr auch von Schraubverschlüssen abgelöst. Wie viele Weinflaschen aktuell wohl noch mit Naturkork verschlossen sind? Nehmen Sie die Gelegenheit wahr, das zum Weinfest in Benshausen am 13. und 14. Juni zu überprüfen. Am Sonntag sind dann auch im Heimatmuseum Benshausen von 10:00 bis 17:00 Uhr unsere Objekte des Monats zu besichtigen. Die Kinder, die ja noch keinen Wein verkosten dürfen, können sich an der neuen Rallye durchs Heimatmuseum versuchen, präsentiert von Maskottchen Winja. (ms)










