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Museum Zella-Mehlis

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Objekt des Monats August 2026 ‒ Gäulskopf

Objekt des Monats August 2026 ‒ Gäulskopf

Heuer hat uns der Juni die bisher heißesten Tage des Jahres beschert. Früher war das gefühlt dem Juli und August vorbehalten. Ohne Sonnenschutz auf dem Kopf fast nicht auszuhalten. Während heute Basecaps und Fischerhüte das Bild prägen, fanden bis um 1900 der Gäulskopf und seine Verwandte, die Erntehaube, als Kopfbedeckung für die Frau Verwendung. Ein Pferdekopf als Sonnenschutz? Ja, ein Teil unserer örtlichen Tracht hat diesen lustigen Namen und schützte in schlichter Form bei der Feldarbeit seine Trägerin, wurde aber auch aufwendig verziert als schmückender Kopfputz zur Festtagstracht getragen. Zum vollständigen Artikel geht's hier entlang: https://museum.gumv.de/?&function=realblog_article&realblog_selected&realblog_id=XXX

 Drei Ansichten eines Gäulskopfs, bzw. einer Trachten-Schute.
Drei Ansichten eines Gäulskopfs, bzw. einer Trachten-Schute.

Der Fachbegriff für diese Hutform ist Schute. In unserer Region war sie aus Stroh geflochten. Am Hinterkopf wie ein flacher Kreis umrahmt sie das Gesicht mit ihrer durchgehenden breiten geraden Krempe wie ein Tunnel. So entstand wohl auch ihr Spitzname, denn von weitem erinnert sie tatsächlich an einen länglichen Pferdekopf. Auch eine gewisse Ähnlichkeit mit den Scheuklappen eines Pferdes ist nicht von der Hand zu weisen.

Getragen wurde diese vom späten 18. bis ins späte 19. Jahrhundert beliebte Haubenform zu verschiedenen Anlässen. Als Erntehaube war sie oft auch aus Stoff gefertigt und wurde hierzu mit Metallbügeln in Form gehalten und unter dem Kinn gebunden. Teils war hinten zusätzlich ein Stück Stoff angesetzt, so dass, wie bei aktuellen Kleinkindermützen, auch der Nacken vor der Sonneneinstrahlung geschützt wurde.

 Frau und Kind mit Schute bei der Feldarbeit.
Frau und Kind mit Schute bei der Feldarbeit.

Denn anders als heute galt über Jahrhunderte eine helle Haut als edel. Wer es sich leisten konnte nicht auf dem Feld und im Freien zu arbeiten, war meist wohlhabend und hatte eine vornehme Blässe. Schon in den Märchen wird von schönen Prinzessinnen mit heller Haut wie zum Beispiel Schneewittchen erzählt. Um dem nahezukommen, versuchte sich natürlich auch die arbeitende Bevölkerung größtmöglich vor der Sonne zu schützen. In unserer heutigen Arbeits- und Lebenswelt hat sich das vollständig gewandelt. Wer eine Urlaubs- oder Solariumbräune hat, kann sich eben das leisten und gilt als schick, anders als der blasse Computernerd.

Variationen der Weiterentwicklung der Rokokohaube (Mitte links und oben rechts) zur Form der Schute, „Modekupfer“ 1802.
Variationen der Weiterentwicklung der Rokokohaube (Mitte links und oben rechts) zur Form der Schute, „Modekupfer“ 1802.

Der Gäulskopf schützte aber nicht nur die Trägerin, sondern war sozusagen Pflicht. Als Haube, vom althochdeutschen huba abgeleitet, bildete er eine Kopfbedeckung, die die Haare vollständig umschließt, eine Hals- und Gesichtsöffnung hat und unter dem Kinn geschlossen wird. Seit dem Mittelalter galt die Regel, dass Frauen nach der Eheschließung ihre Haare nicht mehr offen tragen durften und sie verdecken mussten. Mit der Hochzeit „kamen sie unter die Haube“. Uns heute erinnert das meist an muslimische Sitten, war aber in Mitteleuropa über lange Zeit ebenfalls Usus. Über Jahrhunderte und noch bis zum Zweiten Weltkrieg gehörte eine Kopfbedeckung bei Frau, aber auch Mann, zum guten Ton. Heute fällt man als Hutträgerin in der Öffentlichkeit ordentlich auf, es sei denn man ist englischer Royal oder geht zum Pferderennen.

Pauline und Eveline Schoppe mit Biedermeierfrisur und Schuten. Gemälde Julius Schoppe, 1838.
Pauline und Eveline Schoppe mit Biedermeierfrisur und Schuten. Gemälde Julius Schoppe, 1838.

Aktuell scheint die Haube und der Schutenhut, außer bei bestimmten Lebens- und Religionsgemeinschaften vor allem in den USA, wie den Amish oder den Hutterern, völlig aus der Mode gekommen. Ein Phänomen ist jedoch die 2017 beginnende Serienverfilmung „Der Report der Magd“ nach Margaret Atwoods dystopischen Roman „The Handmaid’s Tale“ von 1985. Hier tragen die unterdrückten Frauen als Mägde, die dem Kindergebären dienen, rote Mäntel und weiße große schutenförmige Hauben, die die Gesichter fast nicht erkennen lassen. In vielen Teilen der Welt protestieren Frauen gegen Unterdrückung und für Selbstbestimmung und tragen dabei, adaptiert aus dieser Serie, als Symbol der Bevormundung solche roten Mäntel und weißen Hauben.

 


Das Erscheinungsbild des Gäulskopfs unserer Tracht entstand über einige Entwicklungsstufen in der Zeit des Klassizismus, des Empire und des englischen Regency, Stichwort: Jane Austen-Mode. Zunächst in ähnlicher Form als Stoffhaube auch im Haus getragen, entwickelte sich die Schute zu einer eigenständigen Hutform für die Frau in der Öffentlichkeit. Einen Höhepunkt in der Mode erlebte der Schutenhut aus Strohgeflecht im deutschen Biedermeier, das heißt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals waren Hutkopf und Krempe allerdings noch nicht ganz zu einem Teil verschmolzen wie beim Gäulskopf, sondern die Krempe öffnete sich im Gesichtsfeld nach außen. Nicht vergessen darf man auch, dass Haartracht und Hutmode einander bedingten. So war es im Biedermeier für die Frauen schick, die Haare hoch am Hinterkopf zu einem Knoten zusammenzufassen. Das Gesicht wurde dabei seitlich von kleinen Locken oder Haarknoten umschmeichelt, die aus der Umrahmung durch den Schutenhut hervorschauten. Mit sinkendem Haarknoten und der Adaption in die Trachtenmode verschmolzen Hutkopf und Krempe zu einer Einheit.

„Der Sonntagsspaziergang“, Biedermeier-Genregemälde Carl Spitzweg, 1841.
„Der Sonntagsspaziergang“, Biedermeier-Genregemälde Carl Spitzweg, 1841.

  Karikatur auf die Schute, Grafik Christoph Haller von Hallerstein, 1810.
Karikatur auf die Schute, Grafik Christoph Haller von Hallerstein, 1810.

Regional war der Gäulskopf als Trachtenbestandteil im gesamten Werra-Gebiet, der hennebergisch geprägten Region, verbreitet. Schlichte Arbeitshüte haben sich weniger erhalten. Aufwendig verzierte Modelle sind jedoch aufbewahrt worden und auch in verschiedenen Ausführungen in unseren Sammlungen zu finden. Anders als es heute oft in den Trachtenvereinen gepflegt wird (alle tragen gleiche Schürzen und Tücher), unterscheiden sich die Stücke trotz ihrer einheitlichen Grundform. Bänder, Borten, Spitzen, Perlen und Kunstblumen in verschiedenen Farben sind kunstvoll auf dem Hut zu Schleifen gelegt und drapiert. Innen ist der Gäulskopf mit einem zu den Verzierungen farblich passenden oder kontrastierenden Baumwollstoff „gefüttert“. Wie auch heute wollte keine Frau denselben Hut oder dieselbe Kleidung wie die andere tragen. Die Fülle des Hutschmucks zeigte sicherlich auch immer ein wenig, wer Geld hatte. Bänder, Borten, Spitzen und Kunstblumen aus Seide waren Kostbarkeiten, die man zum Beispiel auch vom Liebsten geschenkt bekam.

Seitenansicht eines festlichen Gäulskopfs mit Spitzenbesatz und breiter Borte.
Seitenansicht eines festlichen Gäulskopfs mit Spitzenbesatz und breiter Borte.

Der Gäulskopf war nicht die einzige Kopfbedeckung in unserer Trachtenregion. Das Häubchen, mit besticktem Haubenfleck und seitlich von Moirébändern gerahmt, bedeckte den Haarknoten am Hinterkopf. Im Winter und besonders auch von älteren Frauen wurde der Heidlappen, ein mehrfach um den Kopf geschlungenes, oft schwarzes wollenes Tuch, getragen. Außergewöhnlich und nur im Raum Zella-Mehlis zu finden, ist die Jungmädchentracht in Hellblau. Unser Trachtenpüppchen trägt dazu eine weiße Stoffhaube in Schutenform.

Jungmädchentracht (Zella-) Mehlis, Puppe aus der Puppensammlung des „Jungdeutschen Ordens“ in der Ausstellung des Stadtmuseums Zella-Mehlis.
Jungmädchentracht (Zella-) Mehlis, Puppe aus der Puppensammlung des „Jungdeutschen Ordens“ in der Ausstellung des Stadtmuseums Zella-Mehlis.

Lassen Sie sich im Museum inspirieren, denn angesichts steigender Temperaturen, einem wachsenden Bewusstsein für Hautgesundheit aber auch weil es so viele tolle Modelle gibt, kann man Frau nur raten: mehr Mut zum Hut! (ms)

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Donnerstag: 14.00 – 17.00 Uhr
Freitag: geschlossen
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Jeden 2. Sonntag im Monat: 14.00 – 17.00 Uhr


Änderungen vorbehalten!
Zugang zum Museum über die alte Eingangstür von der Gemeindeverwaltung Benshausen – bitte klingeln! Telefon: +49 (0) 36843 / 725 18-21

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Zella-Mehlis –
Historisch gewachsene Wirtschaftskraft

Zella-Mehlis kann auf eine bewegte und erfolgreiche Wirtschaftsgeschichte zurückblicken. Hier wurde der Lauf von internationalen Automarken beeinflusst, Weltkonzerne gegründet und dafür gesorgt, dass James Bond die Welt retten kann. Und auch heute finden sich hier Wirtschaftszweige, die man auf den ersten Blick nicht vermuten würde. Die Langversion dieses Filmes, welcher in Zusammenarbeit mit mamoni media » entstanden ist, können Sie im Technikmuseum Gesenkschmiede » sehen.

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